Turnbrüder verlieren beim Moerser SC knapp mit 2:3 – und liefern sich mit dem Zweitliga-Absteiger einen umkämpften Fünfsatzabend vor starker Kulisse
Wer in der Saisonvorschau nach einem der dicksten Bretter der Dritten Liga West gesucht hatte, war beim Moerser SC ziemlich schnell fündig geworden. Der Absteiger aus der 2. Bundesliga bringt reichlich Qualität und Erfahrung mit und zählt zu den großen Favoriten der Liga. Genau dort mussten die Turnbrüder nach dem gelungenen 3:1-Auftakt gegen Aachen nun erstmals auswärts ran. Und sagen wir es so: Für einen gemütlichen Samstagabend hatte sich in Moers offenbar niemand angemeldet.
Schon vor dem ersten Aufschlag war klar, dass dieser Abend mehr als nur das nächste Ligaspiel werden würde. Viele Zuschauer, eine starke Halle und eine Atmosphäre, bei der Volleyball genauso klingt, wie Volleyball klingen soll. Laut, eng am Feld und mit ordentlich Energie von den Rängen. Bevor der Ball ins Spiel kam, wurde es jedoch zunächst still. Mit einer Schweigeminute gedachte die Halle Georg Grozer. Ein würdiger und bewegender Moment, bevor anschließend wieder der Sport in den Mittelpunkt rückte.
Und der hatte es in sich. Moers zeigte von Beginn an genau die Qualität und Routine, die man von einem Team mit Zweitliga-Erfahrung erwarten darf. Der TKH hielt allerdings konsequent dagegen. Fünf Sätze lang entwickelte sich ein enges, intensives Spiel, in dem um nahezu jeden Ball gekämpft wurde und keine Seite dem Gegner etwas schenken wollte.
Für Freunde eines ruhigen Pulses war das eher nichts. Immer wieder wechselten die Phasen, immer wieder musste Hannover Lösungen gegen den Druck der Gastgeber finden. Gleichzeitig bewiesen die Turnbrüder, dass sie auch in einer lauten Auswärtshalle und gegen einen der ambitioniertesten Gegner der Liga nicht nur mithalten, sondern das Spiel bis tief in den fünften Satz offen gestalten können.
Am Ende fehlten nur wenige Ballwechsel zum ganz großen Auswärtserfolg. Mit 2:3 musste sich der TKH geschlagen geben. Ärgerlich, weil die Partie so knapp war. Gleichzeitig reist Hannover nicht mit leeren Händen zurück: Für die Fünfsatzniederlage gibt es einen Punkt – und vor allem die Erkenntnis, dass sich die neu formierte Mannschaft auch vor einem Gegner dieses Kalibers nicht verstecken muss.
Nach dem Heimsieg gegen den erfahrenen PTSV Aachen und nun fünf hart umkämpften Sätzen beim Moerser SC nimmt die noch junge Drittligasaison damit weiter Fahrt auf. Vieles ist bei den Turnbrüdern noch neu, Automatismen entstehen erst und der breite Kader muss weiter zusammenwachsen. Umso schöner ist es, wenn sich ein Auswärtsspiel bei einem der Aufstiegsfavoriten am Ende zwar nach ein bisschen Herzschmerz, aber ganz sicher nicht nach einem Rückschritt anfühlt.

Oder etwas kürzer: geile Halle, geile Stimmung, geiler Fight – nur das Ergebnis hätte am Ende gerne noch zwei Punkte schöner sein dürfen.